Besorgte Waldbesucherinnen informieren das Aktionsbündnis Waldwende Heidelberg immer wieder, dass im Stadtwald Heidelberg massiv gefällt wird, so z.B. bei den alten Ziehwegen zum Königstuhl, am Birkenbankweg, am alten Waldhilsbacher Weg, am Steigerweg, an der Posseltslust, unterhalb der oberen Bergbahnstation, am Felsenmeerweg, am Kraussteinweg hinter der Reha-Klinik Königstuhl, von Drei Eichen bis Gaiberg, unterhalb und seitlich des Ehrenfriedhofs,
beim Speyerer Hof am Hang und im Bärenbachtal in Ziegelhausen.

Fast-Kahlschlag am Südwesthang am Steigerweg (Bierhelder Steige)


Am Steigerweg hat sich das Aktionsbündnis selbst ein Bild von der Situation gemacht: Hier wurde ein Südwesthang fast kahlgeschlagen. Die wenigen Buchen, die dort noch stehenbleiben durften, werden dem nächsten Hitzesommer zum Opfer fallen. Dann wird es wieder heißen „die Ursache ist der Klimawandel“ und „Buchen haben keine Zukunft mehr“.


Die heimische Rotbuche hat sich seit der letzten Eiszeit in ganz Europa verbreitet, sogar bis nach Süditalien, wo es sehr viel wärmer ist als bei uns. Dort gedeihen wunderbare Buchenurwälder. Die große Varianz der Gebiete zeigt, dass die Buche eine sehr hohe genetische Vielfalt und Anpassungsfähigkeit aufweist. Buchen, die Dürre und Hitze standhalten können, besitzen Gene mit der Eigenschaft Klimaresilienz. Wenn nun Buchenbestände durchforstet werden, geht viel von diesem genetischen Potenzial verloren. Abgesehen davon wird durch Durchforstungen das kühle und feuchte Innenklima des Waldes zerstört und die restlichen Bäume können Hitze und Dürre nicht mehr standhalten.


Die Rotbuche ist auch deshalb zum Baum des Jahres gekürt worden, weil sie wegen ihrer großen genetischen Bandbreite relativ klimaresilient ist. Das Thünen-Institut für Waldökologie hat 2020 die Absterberaten von Baumarten untersucht. Wie zu erwarten war, lag die Fichte mit 4 % an abgestorbenen Exemplaren an der Spitze. Die geringste Absterberate hatte – wer hätte das gedacht? – die Buche mit 0,3 %, und dies auch nur an Süd- und Südwesthängen! Sogar die Eiche, auf die das Forstamt große Hoffnungen bezüglich Klimaresilienz setzt, hatte mehr Verluste aufzuweisen.


Eine Untersuchung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) kam zum Ergebnis, dass Buchen auch bei 4,8 °C Temperaturanstieg über vorindustriellem Niveau in Nußloch noch wachsen können, mit Ausnahme an Westhängen. Da es im Heidelberger Stadtwald ähnliche Bedingungen wie in Nußloch gibt, gilt dies vermutlich auch für unsere Stadt.
Deutschland als eines der buchenwaldreichsten Länder Europas hat eine internationale Verantwortung für seine Buchenwälder! Was für Brasilien der Amazonas ist, sind für Deutschland die Buchenwälder. Bestimmte Buchenwaldgesellschaften wie die Hainsimsen-Buchenwälder, wie sie z.B. im Mühltal in Handschuhsheim vorkommen, sind durch das Landeswaldgesetz per se geschützt, auch wenn sie nicht als europäisches Naturschutzgebiet FFH (Flora Fauna Habitat) ausgewiesen sind.


Durch die Gier der internationalen Papier-und Spanplattenindustrie und die massive Zunahme der Verbrennung von Holz geraten die verbliebenen Buchenwälder immer stärker unter Druck. Damit geht auch die waldtypische Artenvielfalt, die in alten Buchenwäldern außerordentlich hoch ist, verloren.
Wir müssen unsere Heidelberger Buchenwälder im Interesse der Artenvielfalt und der Kohlenstoffspeicherung unbedingt erhalten und fördern!
Das Aktionsbündnis ist weiter an einer Kommunikation mit dem Heidelberger Forstamt interessiert. Nur gemeinsam können wir unseren Wald für künftige Generationen erhalten!

Buchen die fehlen werden

3 Antworten

  1. Jegliches vernünftige Maß geht hier verloren. Der Wasserentzug und die damit verbundene Austrocknung in unseren Wäldern ist nicht die Folge des Klimawandels sondern sind auf Fehlentscheidungen in der Forstpolitik der 90iger Jahre zurückzuführen. Hinzu kommt die steigende Nachfrage nach Holz, die unseren Wald nicht mehr zur Ruhe kommen lässt. Der Wald wurde der Maschine unterworfen, für schweres Gerät befahr aufbereitet. Dieser Fehler ist nicht mehr heilbar. Die Verantwortung hierfür liegt bei der Landesregierung aus Bündnis90/die Grünen und CDU, die nicht zur Umkehr bereit sind. Es ist eine Tragödie.
    Die einzige Lösung wäre die Rückführung der kommunalen Wälder in den Genossenschaftswald, eine Betriebsform der Vergangenheit, heute aktueller denn je. Der Staat hatte seine Chance, er hat sie nicht genutzt.

  2. Und das Ganze wird immer als Verjüngung verkauft. Wo geht das Holz hin? Nach China?
    Es ist schon lange kein Naturwald mehr. Es nennt sich nicht umsonst : Forstwirtschaft.

    Hier muss ein Ausgleich gefunden werden. Mit greenwashing im Rathaus kommen wir nicht weiter.

    Im greenwashing ist HD by the way ganz weit vorne nicht nur in diesem Bereich.

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