Waldwende Heidelberg

Forstwirtschaftsplan 2022: auf dem „Königsweg“ in die Klimakrise

– Der Forstwirtschaftsplan 2022 der Stadt Heidelberg –

Mittlerweile ist klar geworden, dass das Aktionsbündnis Heidelberger Wald eine ganz andere Vorstellung von nachhaltiger Waldwirtschaft hat als die Forstbehörde. Letztere beschreibt in ihrem Forstwirtschaftsplan die Reihenfolge der Produkte: Holzproduktion, Waldnaturschutz und Erholungsnutzung. Holzproduktion ist der Schwerpunkt der Aktivitäten und es wird behauptet, dass „die aktive Waldbewirtschaftung die Grundlagen schafft für sämtliche Ökosystemleistungen des Waldes.“ An anderer Stelle wird sogar behauptet, dass die Forstbehörde sich damit auf dem „Königsweg zur naturgemäßen Waldbewirtschaftung“ befindet.

Diese grundlegenden Vorstellungen der Forstbehörde, die Dr. Baader anlässlich der Sitzung des Ausschusses für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität (AKUM) am 30.3.22 ansprach, sind im Forstwirtschaftsplan 2022 nachzulesen.

Das Dogma, dass nur ein bewirtschafteter Wald ein gesunder Wald sei, wird von der Holzindustrie international dankbar angenommen. Damit können Holzeinschläge in den Karpaten und im Amazonasgebiet gerechtfertigt werden, weil ja angesehene Forstwissenschaftler aus Deutschland dieses postulieren.

Weiterhin wird in dem Forstwirtschaftsplan 2022 behauptet, dass sich Bodenwasservorräte wieder gut aufgefüllt haben. Ein Blick auf den Dürremonitor des Helmholzinstituts zeigt etwas ganz anderes. Danach ist es bei uns im Oberboden und im Wurzelhorizont immer noch ungewöhnlich trocken. Wegen dem nicht ausreichenden pflanzenverfügbaren Wasser bleibt unser Wald in einen Trockenstress.

Das Aktionsbündnis fordert eine Reduzierung des Holzeinschlages damit der Stadtwald älter und dichter werden sollte. Das Bestockungsverhältniss liegt zur Zeit bei 383 Vfm/ha. Fachleute sagen jedoch das es rund doppelt so hoch sein könnte. Dadurch würde der Wald ein besserer Kohlenstoffspeicher werden und klimaresilienter werden. Die Forstbehörde meint zwar, dass sie jetzt schon auf dem „Königsweg der Waldbewirtschaftung“ sei, aber tatsächlich ist noch viel Luft nach oben.

Auf der letzten Seite des Forstwirtschaftsplans wird die Nachhaltigkeit der Maßnahmen geprüft und dabei werden eigenartige Behauptungen aufgestellt:

„Die naturnahe Bewirtschaftung des Heidelberger Stadtwaldes fördert die natürlichen Lebensgrundlagen nachhaltig,
und:
Waldpflege und nachhaltige Holznutzung sind ein wichtiger Beitrag zum Klima- und Immissionsschutz.“
und im 2. Absatz:
„Durch die planvolle Bewirtschaftung des Stadtwaldes können Zielkonflikte weitestgehend entschärft werden. Im Rahmen der Eigentümerzielsetzung, welche der Forsteinrichtung vorangestellt wurde, ist auch die Zielhierarchie festgelegt worden. Der Bewirtschaftungsauftrag bekennt sich deutlich zur multifunktionalen Forstwirtschaft in der alle Waldfunktionen gleichzeitig auf ganzer Fläche erreicht werden sollen. Die Erholungsnutzung, der Natur- und Artenschutz und die Klimaschutzfunktion durch nachhaltige Holznutzung sind die Kernelemente der Stadtwaldbewirtschaftung.“

Dazu eine kurze Gegendarstellung:

Ein Zielkonflikt mit der Bürgerinitiative Heidelberger Wald besteht nach wie vor. Die Zielhierarchie der Verwaltung mit Holzproduktion an erster Stelle ist angesichts der Klimakrise nicht zielführend. Die multifunktionelle Forstwirtschaft ist ein längst widerlegtes Konstrukt. Von Klimaschutzfunktion durch Holznutzung kann nur dann gesprochen werden, wenn die Holzprodukte jahrzehntelang nicht mehr verändert werden. Im Wald könnte der Kohlenstoff in alten Bäumen jahrhundertelang gebunden bleiben. Die Bereitstellung von Brennholz, wie es zur Zeit noch geschieht, ist keine nachhaltige Holznutzung.

Obwohl in EU-Richtlinien das Gegenteil behauptet wird, gibt es genügend Quellen, vor allem im angelsächsischen Schrifttum, die sich für eine Ökosystem-stabilisierende Waldwirtschaft aussprechen. Ebenfalls dort gibt es grundlegende Arbeiten, die vom Wald als natürliche Klimalösung sprechen.

Mittlerweile hat auch Umweltministerin Steffi Lehmke, so wie in Rheinland-Pfalz, einen Einschlagstop für alte Buchenwälder ausgesprochen.

Zu den Waldschutzgebieten werden Bann- und Schonwälder gerechnet. Während in Bannwäldern keinerlei Nutzung stattfindet und der Wald komplett seiner natürlichen Entwicklung überlassen wird, werden Schonwälder im Hinblick auf einen bestimmten Schutzzweck bewirtschaftet. Die Bewirtschaftung unterliegt Auflagen, ist aber nicht ausgeschlossen. Heidelberg hat 170 ha Schonwald was ungefähr 5% der Waldfläche entspricht. Bannwald der komplett aus der Nutzung genommen ist gibt es auf Heidelberger Gemarkung nicht. Seit langem wird von EU, Regierung und Umweltorganisationen (einschließlich dem Aktionsbündnis) gefordert, dass in kommunalen Wäldern mindestens 10% aus der Nutzung genommen wird.

Auf diese Argumente ist bisher bisher niemand von der Verwaltung inhaltlich eingegangen. Der Forstwirtschaftsplan 2022 wird in dieser Form dem Gemeinderat zur Abstimmung vorgelegt.
Deswegen wäre es begrüssenswert, wenn die Verwaltung sich in Zukunft mit unseren Positionen z.B. in Form eines Symposions oder ähnlichem auseinandersetzen würde.

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