Waldwende Heidelberg

Fragen & Antworten

Fragen & Antworten werden in der Internet-Welt als FAQ bezeichnet, das bedeutet „häufig gestellte Fragen“

Der deutsche Forest Stewardship Council (FSC) Standard erlaubt das Befahren von Rückegassen auf maximal 13,6 % der Waldfläche und strebt langfristig einen Gassenabstand von 40 m an, um den Verlust an Waldfläche auf 10 % zu beschränken (FSC Deutschland 2018).

Es ist schon eine nahezu dreiste Legende, dass die heimische Buche im Hinblick auf den Klimawandel nicht zukunftsfähig wäre. Wir haben eine Jahresdurchschnittstemperatur von etwa 10 Grad Celsius. Am südlichen Rand des Verbreitungsgebietes der Buche in Süditalien liegen die Durchschnittstemperaturen im Vergleich um bis zu 4 Grad Celsius höher. Das bedeutet, dass die Buche selbst bei weiter steigenden Temperaturen ein Zukunftsoption bleiben wird.

Entscheidend ist der Umgang mit den noch vorhandenen Buchenbeständen. Oberste Priorität muss hier der Erhalt bzw. die Wiederherstellung des Waldinnenklimas haben. Die Öffnung der „Dachfenster“ des Waldes lässt Lichtkegel in die Bestände einfallen, die das Innenklima stören. Es grenzt an Sarkasmus Maßnahmen umzusetzen, die nachweislich dazu führen das Waldinnenklima zu stören u dann darauf hinzuweisen, dass die Buche wegen des Klimawandels keine Chance mehr hätte. Gleichfalls werden sich die Artenzusammensetzungen unserer Wälder verändern. Im Idealfall verändern sich Buchenwaldgesellschaften in Buchen-/Eichenmischwaldgesellschaften, in denen die heimische Buche nach wie vor große Baumartenanteile hält.

Das wurde vom Forstamt angeführt, um alle Einschläge im Mühltalwald zu rechtfertigen. 

Wie der Bundesgerichtshof am 2. Oktober 2012 feststellte, bezieht sich die Verkehrssicherungspflicht nur auf öffentlich gewidmete Strassen, Waldparkplätze und natürlich auf die Waldkindergärten. Im Waldesinneren hat die Stadt keine Verkehrssicherungspflicht, dort muss jeder Wanderer mit „waldtypischen Gefahren“ rechnen und der Waldbesitzer haftet nicht! Der Wanderer betritt den Wald „auf eigene Gefahr“.

Nein, Holz hat einen niedrigeren Brennwert als Öl und Gas. Deswegen müssten größere Mengen Holz verbrannt werden um eine vergleichbare Wärmemenge zu produzieren. Dementsprechend wird mehr CO2 freigesetzt. Um dieses CO2 wieder zu binden, vergehen Jahre und Jahrzehnte. Diese Zeit haben wir nicht bei den schon jetzt zu hohen CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre.

Ein Kubikmeter Holz entspricht rund einer Tonne CO2 und Peter Wohlleben fordert, sie sollte exakt so besteuert werden wie eine Tonne CO2 aus Kohle oder Öl. Das würde diesen Rohstoff teurer machen und ihn davor schützen, als preiswerte Öko-Alternative in Kraftwerken verheizt zu werden.

Im Vergleich zu Öl- und Gasfeuerungen setzen Holzfeuerungen viel mehr Verbrennungsgase wie Stickoxide, Kohlenmonoxid und flüchtige organische Verbindungen frei. Das Verbrennen von Holz ist mit erheblichen Feinstaubemissionen verbunden – selbst bei modernen Kleinfeuerungsanlagen, die den aktuellen gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Dies verdeutlicht eine Reihe von Feldstudien des Max-Planck-Instituts für Chemie aus Mainz: Einfache Anlagen, wie beispielsweise private Holzöfen, führten zu einer messbaren Erhöhung der Feinstaubkonzentration in ihrem Umfeld. So verschlechterte bereits ein einzelnes Kaminfeuer die Luftqualität in der unmittelbaren Nachbarschaft deutlich.

Messungen in zwei Orten im Winter zeigten denn auch einen stärkeren Beitrag zur lokalen Feinstaubbelastung durch das Heizen mit Holz als durch den Straßenverkehr. Wer die Luftqualität in der eigenen Nachbarschaft nicht beeinträchtigen will, sollte auf ‚Wohlfühlfeuer‘ zu Hause verzichten.

Schon 2018 warnten rund 800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das EU-Parlament vor der Förderung von Holzverbrennung in Kraftwerken mit dem Hinweis, diese klimaschädliche Richtlinie sei ein schlechtes Beispiel für den Rest der Welt.

Holzfeuerungen mit Abstand die grösste Quelle für krebserregenden Feinstaub aus der Verbrennung bau.admin.ch, und:

Daellenbach KR, Uzu G, Jiang J, Cassagnes LE, Leni Z, Vlachou A, et al.: Sources of particulate-matter air pollution and its oxidative potential in Europe, Nature 2020; 587(7834): 414-419

Holzbrand ist nur akzeptabel in Berghütten und als letztes Glied in der Kaskadennutzung von Holz.

Der Begriff „Schädlinge“ ist nicht gut. Schädlich bezieht sich niemals auf das Ökosystem, sondern ausschließlich auf Partikularinteressen des Menschen. Wälder sind selbstorganisierende Systeme, die auch Kalamitäten überdauern und anschließend im Rahmen der Sukzession wieder auf einen (vorläufigen) Endzustand hinstreben. Aus hessischen Forstkreisen kann man hören, dass selbst der Heldbock, nach dem Hirschkäfer unser zweitgrößter Käfer, als „Schädling“ bezeichnet wird.

Zutreffend ist der Hinweis auf sinkende Grundwasserspiegel. Auch hier nennt das Forstamt nur einen Teil der Wahrheit. Es gibt genügend Wälder, die auch ohne unmittelbaren Grundwasseranschluss in vitalem Zustand sind. Entscheidend ist die Wasserverfügbarkeit im Hauptwurzelhorizont erwachsener Bäume, der in 1,8 Meter Tiefe gemessen wird. Trotz ergiebiger Regenfälle der letzten Wochen gibt es in diesem Wurzelhorizont in der Oberrheinebene nach wie vor eine außerordentlichen Trockenheit. Tiefe Einblicke gibt hier der Dürremonitor des Umweltforschungszentrums Helmholtzinsitut. 

Hausgemacht, d.h. durch forstliche Maßnahmen ausgelöst, ist die hohe Auflichtung der Bestände durch intensive Durchforstungen, die Zerstörung des Porenvolumens im Boden durch Einsatz schwerer Maschinen und die nahezu vollständige Entfernung der Biomasse, die zugleich einen Wasser- und Nährstofflieferant darstellt.

Das Märchen von der vermeintlichen Artenarmut im Buchenwald ist in den letzten Jahren einer gründlichen Kritik unterzogen worden.

Wenn Förster das Märchen trotzdem erzählen, beweisen sie entweder ihre Unkenntnis der Fachliteratur oder die bewusste Absicht, Baumfällungen durch falsche Behauptungen zu rechtfertigen.

Aktueller Stand der Forschung ist:

· Nach umfangreichen Baumfällungen erhöht sich ohne Frage die Artenvielfalt.

Aber:

In die offenen, nun baumlosen Flächen dringen Arten ein, die gar nicht in einen naturbelassenen Buchenwald hineingehören: Adlerfarn, Weidenröschen, Springkraut, Flatterbinse, Brennnessel usw. sind keine Waldarten, sondern Offenlandarten. Wo aber sollen auf den kahlen Flächen Spechte, Fledermäuse und Holzkäfer ihre Höhlen finden?

  • Viele der Offenlandarten zeigen darüberhinaus Schäden des Waldbodens an, die durch die tonnenschwere Harvester und Rückeschlepper verursacht worden sind: So wachsen die feuchtigkeitsliebenden Binsen gerne in Rückegassen, wo der Boden durch das Befahren verdichtet wurde und Regenwasser sich staut und nicht mehr abläuft.
  • Nur eines von unzähligen Beispielen für den schier unglaublichen Artenreichtum in Buchenwäldern ist der Hainich-Nationalpark. Seine Wälder wurden seit Jahrzehnten nicht von Förstern „aufgelichtet“ und „gepflegt“. Es wurden rund 8.600 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten gezählt: „Bei den Wirbeltieren sind 49 Säugetierarten nachgewiesen, darunter […] 15 Fledermausarten, 189 Vogel-, 13 Amphibien- und 5 Reptilienarten. Bedeutend größere Zahlen erreichen die Insekten. Unter anderem sind 800 Schmetterlings- und fast 1.300 Zweiflüglerarten (Fliegen und Mücken) festgestellt worden. Die größte Gruppe mit derzeit 2.144 Arten sind die Käfer […]. 521 davon sind holzbewohnende Käfer.“
  • Auch in nicht bewirtschafteten Naturwaldreservaten, die verglichen mit den großen Nationalparks nur sehr klein sind, werden regelmäßig sehr hohe Artenzahlen nachgewiesen. So leben in dem nur rd. 10 ha großen Naturwaldreservat Waldhaus im Steigerwald sage und schreibe 1.305 Arten: u. a. 407 Pilze, 349 Nachtschmetterlinge, 289 Holzkäfer, 96 Pflanzen, 36 Vögel und 15 Fledermäuse.
  • Auch vorbildlich naturnah bewirtschaftete Wälder wie beispielsweise der Lübecker Stadtwald zeigen eine hohe Vielfalt von Waldarten. Von der Mikroben-Vielfalt im Waldboden ist nur ein Bruchteil bekannt.

Die Behauptung, Buchenwälder seien artenarm und die Artenvielfalt profitiere von Baumfällungen, ist also Unsinn. Es ist eines von zahlreichen Förstermärchen.

Quelle: BundesBürgerinitiative Waldschutz

In der Praxis werden durch den Einsatz von vollmechanisierten Holzerntesystemen, wie dem Harvestereinsatz, etwa 30 % des Waldbodens befahren. Dabei wird das Porenvolumen, die für die Wasser- und Luftversorgung der Baumwurzel wichtig sind, bereits bei einmaliger Befahrung massiv beschädigt. Hinzu kommen Wurzelabrisse an den verbleibenden Bäumen, und einer reduzierten Fähigkeit der Bäume Wasser und Nährstoffe aufzunehmen.

Großtechnik rechnet sich häufig erst dann, wenn eine genügend große Hiebsmasse anfällt. Daher werden häufig intensive Eingriffe in den Waldbeständen vollzogen, um den Harvestereinsatz noch wirtschaftlich gestalten zu können. Die dringende Erfordernis geringere Holzmassen zu entnehmen steht diesen ökonomischen Forderungen diametral entgegen. Das bedeutet, dass in Wirtschaftswäldern auch künftig Mengen über das verträgliche Maß hinaus entnommen werden.

Es gibt sogar eine gesetzliche Pflicht für weitere Flächenstilllegungen im Wald. In der Umsetzung einer EU- Richtlinie hat sich die Bundesregierung im Jahr 2007 verpflichtet bis zum Jahr 2020 5 % der Gesamtwaldfläche oder 10 % der öffentlichen Waldfläche stillzulegen. Mit dem Verstreichen dieser Frist zum Ende 2020 hat Deutschland noch nicht einmal die Hälfte der Flächenstilllegungen vollzogen. Gerade einmal 2,3 % der Waldfläche sind bisher stillgelegt. Die Bundesländer zeigen nach wie vor keine Bemühungen den gesetzlichen Auftrag umzusetzen. 

Neben dem Klimawandel ist der Verlust der Biodiversität die größte Herausforderung der Menschheit. Bereits eine Million Arten sind in wenigen Jahren unwiederbringlich verloren gegangen. Mit dem Verlust jeder Art besteht die Gefahr, dass Organismen auf neue Wirte überspringen, auch auf den Menschen oder seine Nutztiere und -pflanzen. Der Mensch muss also ein essentielles Eigeninteresse daran haben das Artensterben zu stoppen. In Wirtschaftswäldern wird auf die Artenvielfalt keine Rücksicht genommen. Allen Beteuerungen zum Trotz geht es um möglichst wirtschaftliche Aufarbeitung von Holz.

In stillgelegten Wäldern haben natürliche Prozesse wieder eine Chance sich zu etablieren. Solche unter Prozessschutz gestellte Wälder zeigen häufig schon nach wenigen Jahren überraschende Entwicklungen auf. Stillgelegte Wälder binden nebenbei auch den meisten Kohlenstoff, sind wegen ihres ästhetischen Wertes auch wertvolle Erholungswälder und leisten in Bezug auf Waldfunktionen, wie Immissionsschutz oder Bodenschutz deutlich mehr als ein vergleichbarer Wirtschaftswald.

Das Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena verbreitete im Februar 2020 eine Studie, die zeigen sollte, dass nachhaltig bewirtschaftete Wälder das Klima besser schützen als unbewirtschaftete Wälder. Der wichtigste Beitrag nachhaltiger Wirtschaftswälder der gemäßigten Klimazone sei das Ersetzen fossiler Brennstoffe durch die energetische Nutzung von Holz. Die Befunde der in der Fachzeitschrift Global Change Biology – Bioenergy veröffentlichten Studie von Professor Ernst-Detlef Schulze und KollegInnen wurden nunmehr durch drei unabhängig voneinander entstandene Publikationen in derselben Zeitschrift widerlegt.

Das heißt: Waldschutz ist besser für das Klima als die Holz-Nutzung!

Der ganze Artikel kann hier gelesen werden.

Die Fotosyntheseleistung ist abhängig von der Anzahl der Blätter und weil diese bei einem ausgewachsenen, alten Baum viel größer ist als bei einem jungen, bindet ein alter Baum pro Zeiteinheit mehr Kohlenstoff. In den ersten 10 Jahren eines jungen Bestandes ist die CO2-Bilanz negativ, weil durch die Bodenatmung mehr CO2 freigesetzt wir als von den Bäumen gebunden wird.

Der Waldbauer betrachtet den Wald wie einen Acker, der bestellt werden muss und dessen Erträge er ernten kann. Er beansprucht jährlich 80% des nachwachsenden Holzes. Auf sich alleine gestellt würde dieser Wald keine Früchte sondern nur „Unkraut“ liefern. Das Wachstum der Bäume wird beeinflusst, damit der gewünschte Rohstoff Holz gute Voraussetzungen bekommt. Holz ist in diesem Sinn ein nachwachsender Rohstoff, der vor Kalamitäten geschützt werden muss. Der dazu nötige Aufwand, wie Personalkosten, Neupflanzungen, Entfernen von Schadholz und Bau von Forststrassen, die das Befahren mit schweren Maschinen ermöglichen, fliesst in die Gesamtbilanz der Erträge mit ein. Ertragreiche Baumarten, wie die schnell wachsende Douglasie und solche, die kostbares Stammholz liefern wie die Eiche, werden bevorzugt. Wenn die Erträge bedroht sind wird auch zu Maßnahmen gegriffen, wie sie im konventionellen Ackerbau üblich sind. Bodenkalkung analog zum Düngen im Ackerbau und gelegentlicher Einsatz von Bioziden als „ultima Ratio“. Das Ergebnis der Tätigkeit eines Waldbauern wird als Forst bezeichnet.

Das modernere Verständnis geht von dem Wald als einem komplexen Ökosystem aus. Die vielfältigen Ereignisse und Zusammenhänge in diesem System, werden erst seit wenigen Jahrzehnten durch verschiedene Wissenschaftler erforscht: Botaniker, Zoologen, Entomologen, Mikrobiologen, Mykologen, Physiker, Chemiker, Hydrologen wenden sich dem Wald zu und entdecken täglich Neues.

In aller Demut geben sie zu, dass noch längst nicht alles erforscht ist, sondern dass sie gerade am Anfang der Entdeckungen stehen, und nur einen Bruchteil der Phänomene verstehen. Die bisherigen Erkenntnisse aus diesen Forschungen kommen in einigen grundlegenden Ansätzen zum Ausdruck:

– jeder menschliche Eingriff in dieses System hat Auswirkungen

– um einen stabilen Gleichgewichtszustand zu erreichen und darin zu bleiben, müssen diese Eingriffe minimal sein und dürfen ein gewisses Maß nicht überschreiten

– der jetzige Zustand des stadtnahen Waldes ist bedrohlich und lässt vermuten, dass er bei der zu erwartenden, weiteren Klimaveränderung kollabiert

– eine mehrjährige Hiebsruhe, ein höherer Totholzanteil und einen Teil des Waldes für eine natürliche Entwicklung zu schützen wären notwendige, unmittelbare Maßnahmen in der Klimakrise

– wenn ein stabiler Gleichgewichtszustand erreicht ist, können maximal 30% des nachwachsenden Holzes durch Einzelbaumentnahmen bodenschonend entnommen werden. Sofern die Ökonomie die Ökologie beachtet, können sogar höhere Erträge als bisher erzielt werden (Stadtwald Lübeck)

– zusammengefasst kann gesagt werden: ein Wald braucht den Menschen nicht, jedoch brauchen wir Menschen den Wald

Wenn die Holzernte mit diesem Begriff umschrieben wird soll davon abgelenkt werden, dass jede Holzernte ein Eingriff in das ökologische System des Waldes bedeutet. Besonders schwerwiegend betrifft das den Waldboden, der verdichtet wird und die in ihm enthaltenen Wurzelnetzwerke zerstört werden. Wenn nicht genügend Totholz zurückgelassen wird, verarmt der Waldboden an Nährstoffen, ähnlich einem Acker auf dem immer die gleiche Frucht gepflanzt und geerntet wird.

ca. 70% des Niederschlags in einem Wald gehen an die Atmosphäre zurück und führen zu erneuter Wolkenbildung. Die Feuchtigkeit des Atlantiks würde ohne Wälder nur ca. 600 km landeinwärts reichen!
Weltweit kommen 75% des Trinkwassers aus bewaldeten Wassereinzugsgebieten. Nur ein Viertel dieser Gebiete sind unter Schutz gestellt. Im Heidelberger Mühltal ist die Leistung der Trinkwasserquellen in den letzten 60 Jahren teilweise auf die Hälfte zurück gegangen.

Die absoluten Niederschlagsmengen haben sich in diesem Zeitraum nicht wesentlich verändert. In den letzten Jahren kam es aber zu einer anderen Verteilung der Niederschläge – Dauerregen in den Wintermonaten sind seltener und Starkregenereignisse sind häufiger geworden. Der Dürremonitor zeigt einen Trockenstress im Boden unserer Region!

Deutschlandweit gibt es 3 Waldzertifikate:

  • PEFC – Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes:
    Von dem weltweit verbreiteten PEFC-Siegel raten die großen Umweltverbände ab. Greenpeace kritisiert fehlende unabhängige Kontrollen zum Waldschutz.
    Für den NABU stellt das PEFC-Label keinen ökologischen Mehrwert dar. Bei PEFC habe sich die Holzwirtschaft im Wesentlichen selbst ein Gütesiegel verpasst, unabhängige Kontrollen zum Waldschutz gäbe es kaum.

Heidelberg hat den Titel „Waldhauptstadt 2018“ vom PEFC bekommen!
Im März 2022 verkündet die Stadt Heidelberg unter dem Titel „Gesund werden im und durch den Wald“ dass sie die erste Stadt in Deutschland sei, die das Zertifikat „Kur- und Heilwald“ nach den PEFC-Standards erhalten hat!

  • FSC – Forest Stewardship Council:
    Das FSC-Siegel wird vom Umweltbundesamt und von Umweltverbänden wie NABU, BUND und WWF empfohlen. Bei FSC haben Umwelt-, Soziale- und Wirtschaftskammern je ein Drittel der Stimmrechte. Zu den jährlich stattfindenden Audits können auch Vertreter von Umweltverbänden (als sogenannte Stakeholder) eingeladen werden. Die Ergebnisse dieser Kontrollen werden im Internet veröffentlicht:
    https://fsc.org/en/fsc-public-certificate-search

FSC ist aber kein Instrument des Naturschutzes oder einer „ökologischen Forstwirtschaft“, sondern eines der Waldbewirtschaftung.

Beide Zertifizierungssysteme sind nicht ausreichend in der Lage, die Ökosystemleistungsvielfalt des Waldes abzubilden.

  • Naturland:
    In Deutschland gibt es das Waldzertifizierungssystem nach Naturland,
    das älter und im Einzelfall strenger ist als das des FSC. Es entwickelte sich aus den Kriterien des Lübecker Konzeptes, das auch als »Integrierter Prozessschutz« bezeichnet wird. Naturland e.V. begründete damit das erste ökologisch-soziale Zertifizierungssystem in Deutschland.

Weitere Informationen unter:
https://www.naturland.de/de/naturland/wofuer-wir-stehen/oeko-wald.html

Laut WWF wird jeder zweite industriell gefällte Baum direkt zu Papier verarbeitet. Davon wird ein erheblicher Teil zu Wegwerfprodukten wie Toilettenpapier, Küchen- oder Taschentüchern. Wir können uns diese Verschwendung nicht mehr leisten, denn damit gehen die betroffenen Wälder als CO2-Senken verloren. Vielmehr muss es das Ziel sein, Holz langfristig und ressourcenschonend zu nutzen z.B. im Holzbau.

Das im Frühjahr eingeschlagene Holz soll als Brennholz dienen. Das Buchen-Stammholz wird traditionell nach China exportiert obwohl es auch in Deutschland Betriebe gibt, die Buchenholz verarbeiten.

Aber verarbeitetes Holz bindet kein weiteres CO2, kühlt keine Landschaft mehr und sorgt auch nicht für mehr Regen.

Toilettenpapier kann durch den Gebrauch einer Podusche eingespart werden. Eine Podusche mit dem Namen HappyPo gibt es  bei „Annas Unverpacktes“ in der Ladenburger Strasse zu kaufen.

Viele antworten auf diese Frage mit der Behauptung, dass dann mehr Tropenholz oder Holz aus Schutzgebieten (zB. Karpaten) eingekauft wird. Also dass Schutzgebiete in Deutschland Schutzgebiete in anderen Ländern verhindern! Zuerst einmal sollten wir unseren immensen Bedarf an Holz reduzieren, siehe die Frage „Wie wird das geschlagene Holz genutzt“.

Wenn aber unsere Forstwirtschaft behauptet, dass der Wald am besten durch Nutzung geschützt wird, dann kann man anderen Ländern nicht vorwerfen, wenn sie genauso handeln. Das importierte Holz müsste ein Nachhaltigkeitssiegel tragen!

Leider gibt es in Mitteleuropa nur sehr wenige Betriebe, die eine verantwortungsvolle Waldwirtschaft betreiben. Musterbetrieb ist wohl das Forstamt Lübeck, in dem Lutz Fähser jahrzehntelang eine sanfte Form der Dauerwaldwirtschaft geprägt hat. Diese Wirtschaftsweise ist mittelfristig übrigens auch wirtschaftlicher als die Dampfrossforstwirtschaft, die vielfach betrieben wird. Nur unter Beachtung natürlicher Prozesse sind mittelfristig überhaupt noch Holzerträge aus unseren geschundenen Wäldern zu generieren.

Es gibt wenige kommunale Betriebe in Deutschland, die sich dem Waldzertifikat Naturland unterworfen haben. Naturland als Waldstandard wurde bereits 1995 gemeinsam mit BUND, Greenpeace und Robin Wood entwickelt um eine glaubhafte Zertifizierung für eine verantwortungsvolle Waldwirtschaft zu gewähren. Momentan sind es aber gerade 20 kommunale und private Betriebe die nach diesem verantwortungsvollen Standard wirtschaften. Leider sind bisher nur 0,5 % der Waldfläche nach diesem strengen Standard zertifiziert.

Dazu gehören unter anderen die kommunalen Wälder von Hannover, München und Göttingen.

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