Darin ist zu lesen:

Die wichtigsten Fakten zu den Waldpflegearbeiten im Mühltal

Das Aktionsbündnis veröffentlicht dazu einen

Faktencheck

Die ca. 30 umsturzgefährdeten Bäume entlang der öffentlichen Wege wurden bereits im Frühjahr gefällt. Anschließend wurden sie auf Polter gerückt um sie als Brennholz anzubieten. Dadurch wurden dem Wald Nährstoffe und Feuchtigkeit entzogen. Aus ökologischen Gründen ist es sinnvoll, Totholz an Ort und Stelle zu lassen. Es ist auch eine Maßnahme gegen Wildverbiss. Wenn jetzt noch weitere kranke Bäume im unmittelbaren Gefahrenbereich entdeckt wurden, verlangen wir ein Gutachten von einem unabhängigen Sachverständigen.

Im Innenbereich des Waldes, wo die Mehrzahl der über tausend zum Fällen markierten Bäume stehen, gilt die Wegesicherungspflicht nicht. 

Zur Biotop-Pflege gibt es jemanden, der sich seit Jahren täglich und ehrenamtlich damit beschäftigt. Für Feuchtbiotope ist Halbschatten erforderlich, sonst trocknen sie aus. Der Klimawandel mit seinen steigenden Temperaturen wird bei dem Auslichtungskonzept des Forstamtes nicht berücksichtigt. Die Biotope brauchen Hitzeschutz, der mit der Menge an Licht im Halbschatten in einer Balance steht und abgestimmt werden muss. Der Rat von Ludwig Haßlinger sollte respektiert werden.

Baumfällungen im Wald verändern das Mikroklima im Wald negativ und wirken sich ebenfalls negativ auf den Wasserhaushalt aus. Die Feuchte im Wald hängt direkt ab von der in ihm enthaltenen Biomasse. Die Blätter transpirieren das Wasser, welches das Wurzelwerk aus dem Boden zieht. Es ist bekannt, dass es über bewaldeten Landschaften vermehrt zu Wolkenbildung und Niederschlägen kommt. Das wird als „Biotische Pumpe“ bezeichnet (Ch. Eisenstein 2018). Den grössten Teil der Niederschläge in Handschuhsheim hat seinen Ursprung nicht direkt in den Meeren, sondern ergibt sich aus der Verdunstung von Wasser aus dem Boden und aus der Vegetation (Evapotranspiration). Im Jahre 2008 haben Wissenschaftler veröffentlicht, dass nördliche Wälder Wolkenbildung auf niedriger Höhe fördern. Das Wasser vom Atlantik reicht maximal bis 600 km ins Landesinnere. Ein Aufforstungsprojekt in Brasilien hat gezeigt, dass der Wald sein eigenes Mikroklima schafft, mit Wolkenbildung und Regen, in einer Gegend, die nach Rodung zu einer Trockensteppe verkommen war (S. Salgado, Instituto Terra).

Totholz, Humus und bodennahe Vegetation speichern Wasser und stellen es auch den tieferen Bodenschichten zur Verfügung. Dadurch werden Wurzelwerk und Quellen versorgt. Die Quellschüttungen im Mühltal sind in den letzten Jahren um ein Fünftel gesunken bei gleichen jährlichen Niederschlagsmengen. Das kann auf die Klimaveränderung aber auch auf die bisherigen Waldpflegemaßnahmen zurückgeführt werden, weil der Mühltalwald bereits stark ausgelichtet und totholzarm ist. Sich um die Stabilität und Vitalität eines Ökosystems sorgen zu müssen, klingt schlicht gesagt anmaßend. Buchenwälder, die seit Jahrtausenden die natürliche Bedeckung unserer Landschaft waren, haben sich immer auf Umweltveränderungen einstellen können. Die Informationen dazu sind in ihrem Erbgut gespeichert. Das einzige, auf das sie sich nicht einstellen können, ist der Ressourcenhunger der menschlichen Zivilisation.

Das Forstamt plant für dieses Jahr einen Einschlag von 1600 Kubikmeter Holz im Mühltal. Über die genaue Verwertung werden keine Angaben gemacht. Wenn es sich wieder vorwiegend um Brennholz handeln sollte, ist das aus Klimagründen abzulehnen. Holz hat einen niedrigeren Brennwert als Öl und Gas und muss deshalb in viel größeren Mengen verbrannt werden, um eine vergleichbare Energiemenge zu erhalten, was zu einem höheren CO2-Ausstoss führt. Zusätzlich führt der Holzbrand zu einer hohen Feinstaubbelastung.

Waldwege zu asphaltieren hat zur Folge, dass zusätzliche Fläche versiegelt wird, was den Bemühungen Regenwasser zu speichern, entgegenwirkt. Die Aufheizung der schwarzen Oberfläche führt zu lokalen Wärmeinseln.

Alle Bürgerinnen und Bürger, die gegen die geplanten Baumfällungen sind, können sich an ihre Ortsbeiräte und Gemeinderäte wenden. Ein Vorlage im Gemeinderat der Stadt Heidelberg könnte dieses Vorhaben verhindern!

Die Stadt Heidelberg lädt vor dem Start der Arbeiten zu einer Infoveranstaltung vor Ort ein. Sie findet am Donnerstag, 16. September 2021, statt.

Im Anschluss stehen die städtischen Forstexperten ab 17 Uhr im Mühltal an der Wegekreuzung Talweg Winterseite/Schmalzwasenteichweg allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern für Fragen zur Verfügung.

3 Antworten

  1. Wieviel Verarschung hält ein denkender emphatischer Bürger mit täglichen Eindrücken und Abläufen der Natur aus?? Kein dichtes Blätterdach und absolute Trockenheit oder Blätterdach mit Feuchtigkeit und Kühle ??

  2. Was hat die Herausnahme von einzelnen Bäumen mit der brasilianischen Trockensteppe durch großflächige Rodung zu tun?
    Es wäre schön, wenn die Diskussion um alternative Waldbewirtschaftung sachlich geführt werden würde. Noch gehen die Ansätze dazu weit auseinander und es gibt viele widersprüchliche Meinungen. Nur konstruktive Diskussion kann hier zu einem Konsens führen.

    1. Der Zusammenhang zwischen einem Aufforstungsprojekt in Brasilien (und anderswo) und der Niederschlagsmenge gilt überall. Ein stabiler Wald sorgt für vermehrte Wolkenbildung und Regen. Ohne Wald würde die Feuchtigkeit des Meeres nur 5-600 km landeinwärts transportiert werden. Ein naturnaher Wald speichert grosse Wassermengen und gibt einen Teil davon wieder an die Atmosphäre ab. Diese Regulation des Wasserhaushaltes wird für uns in Zukunft wichtiger sein als die Holzproduktion.

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