Waldwende Heidelberg

Habitatbaumgruppen im Stadtwald

Ende Herbst – Anfang Winter wurden im Gebiet Kühruhe im nördlichen Stadtwald viele Buchen eingeschlagen. Die wiederholten Aufforderungen an das städtische Forstamt, die Buchen zu schonen wurden ignoriert. Wir haben in diesem Gebiet eine schützenswerte Waldgemeinschaft mit Buchen, Eichen, Eiben und Stechpalmen und wenig Nadelholz.

Eibe und Stechpalme im Buchenwald
Eibe und Stechpalme im Buchenwald
Stechpalme (Ilex)
Stechpalme (Ilex)

Nach den Vorstellungen der ökologisch orientierten Förster ist diese Waldgemeinschaft optimal an diesen Standort angepasst und müsste ein paar Jahrzehnte aus der Nutzung genommen werden, um sich zu stabilisieren und um weitere Klimaänderungen überdauern zu können.

Inmitten dieses Gebietes wurden einige ältere Buchen vor Jahren als Habitatbäume markiert. Als Biotop- oder Habitatbaum werden Bäume bezeichnet, die besondere Lebensräume für andere Lebewesen anbieten (Wikipedia). Das Heidelberger Forstamt nennt diese Habitatbaumgruppen auch Waldrefugien, die quasi als „Minibannwälder“ aus der wirtschaftlichen Nutzung genommen werden sollten.

Damit soll die Auflage, in kommunalen Wäldern mindestens 10% der Holzfläche nicht mehr zu nutzen, erfüllt werden. Momentan sind im Stadtwald solche Areale nicht öffentlich ausgewiesen. Von einem Förster bekamen wir zu hören, dass das in Zukunft auch nicht passieren wird um die Habitatbäume zu schützen.

Biotopbaum am Wegesrand
Biotopbaum am Wegesrand

Unser Stadtwald ist während der Jahrzehnte intensiver Nutzung zu einem Forst geworden, der als wichtigste Aufgabe hat, Holz zu produzieren. Solche Forste erweisen sich jetzt in der Klimakrise als instabil. „Nicht die Wälder, die Forstplantagen sterben“ sagt der Biologe Professor Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Aus der Nutzung genommen steigt die Bedeutung der Wälder für die Biodiversität, sie erfüllen Habitatfunktionen, die der Wirtschaftswald nicht leisten kann.

Habitatbaum links direkt an der Rückegasse

Jetzt wurde in diesem Gebiet massiv Holz geerntet und dabei Rückegassen dicht an diesen Biotopbäumen befahren. Damit wurde das Konzept der Minibannwälder in das Gegenteil gewandelt, nämlich intensive Nutzung auf allen Arealen. Keine Buche darf älter als 150 Jahre werden, obwohl sie natürlicherweise das doppelte Alter erreichen könnte. Außerdem ist es nicht sinnvoll Habitatbäume direkt an Wegen auszuweisen, weil sie dort wegen der Sicherungspflicht gefällt werden können.

Habitatbaum am Weg
Habitatbaum am Weg

Das traurige Ergebnis dieses Holzabbaus ist entlang dem Kühruhweg und dem Unteren Kühruhweg zu sehen.

Buchenholzpolter am Kühruhweg
Buchenholzpolter am Kühruhweg

In der Nachbarschaft außerhalb des Einschlaggebietes befinden sich 4 prächtige, alte Buchen die bereits mit Fällstrichen versehen wurden. Dabei sind große, alte Bäume im Klimawandel wichtig, weil sie mehr Kohlenstoff speichern als junge Bäume.

Kahlschlag
Kahlschlag

Wir fordern:

– die Stilllegung von 10 % der Waldfläche (Prozessschutzflächen) im Sinne der Biodiversitätsstrategie des Bundes und des Landes Baden-Württemberg damit die Bäume im Heidelberger Stadtwald ein höheres Alter erreichen dürfen
– ein Moratorium der Laubholzeinschläge über einen Zeitraum von 30 Jahren, denn dieser Zeitraum wird benötigt, um eine optimale Kohlenstoffbevorratung herzustellen
– eine drastische Einschränkung von der Produktion kurzlebiger Holzprodukte für Brennholz, Zellstoff und Papier
– die Sicherung der Trinkwasserressourcen nach Qualität und Quantität

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