An einem Strang für einen gesunden Heidelberger Wald

Das Mühltalwald-Aktionsbündnis und das Forstamt erarbeiteten Alternativen zu den geplanten Fällungen. Außerdem soll die Zusammenarbeit verstärkt werden.

Miteinander statt gegeneinander: Auf einer erneuten Begehung sprachen Vertreter der Stadt und Vertreter von Naturschutzverbänden sowie des Aktionsbündnisses „Rettet den Mühltalwald“ über die Zukunft der Bäume im Handschuhsheimer Mühltal.
Foto: Philipp Rothe

Von Karla Sommer, RNZ vom 2. 11. 2021

Ging es bei der Waldbegehung Mitte September noch hoch her, herrschte diesmal eitel Sonnenschein im Handschuhsheimer Mühltal, und das in zweierlei Hinsicht. Zum einen war das Wetter prächtig, der Wald zeigte sich im herbstlich bunten Gewand. Und zum anderen gaben sich die Vertreter des städtischen Forstamtes – Ernst Baader, Tillmann Friedrich und Andreas Ullmann –, Volker Ziesling vom Aktionsbündnis „Rettet den Mühltalwald“ und Barbara Roy von Greenpeace Mannheim-Heidelberg betont einvernehmlich. Sie alle kamen am Freitag zusammen, um über die Umsetzung gemeinsam ausgearbeiteter Ideen zur Zukunft der Bäume im Mühltal zu sprechen.

Das Forstamt hatte Anfang des Jahres eine Durchforstung, die gezielte Entnahme von rund 1000 Bäumen (vorwiegend Buchen), an mehreren Stellen entlang des oberen Mühltals geplant. Forstamtsleiter Baader sieht darin vor dem Hintergrund des Klimawandels einen Beitrag zum Schutz des Waldes. Die Fällungen dienten dazu, andere Bäume zu vitalisieren und den Boden mit mehr Licht und Wasser zu versorgen. Dagegen regte sich jedoch massiver Protest. Seitdem kämpft das Aktionsbündnis „Waldwende-Heidelberg“ um die „Rettung des Mühltals“. Die Gegner sehen in den Baumfällungen eine Verschärfung des schlechten Waldzustandes und eine Zerstörung des Waldinnenklimas.

Auf einer Waldbegehung am 16. September mit Klimabürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain, Vertretern der Naturschutzverbände und Mitgliedern des Aktionsbündnisses entbrannte eine hitzige Debatte. Am Ende versprach das Forstamt, die Buchen im Mühltal vorerst stehenzulassen. Forstwirt Volker Ziesling, Mitbegründer der Bürgerinitiative „Waldwende jetzt“, traf sich daraufhin mit Schmidt-Lamontain und Forstamtsleiter Baader zum Gespräch.

Als sich die Vertreter beider Parteien nun erneut vor Ort trafen, wurde deutlich, dass sich die Wogen geglättet haben. Forstamtsleiter Baader lobte das „konstruktive Gespräch“ mit Ziesling und nannte die Auseinandersetzung „einen spannenden politischen Prozess“. Stadt und Aktionsbündnis haben sich inzwischen auf ein Beteiligungsprojekt geeinigt, das darauf hinausläuft, „neue Wege im Umgang mit dem Thema Wald und der dazu gehörenden Kommunikation zu gehen“ – so heißt es in einem Gesprächsprotokoll der Waldschützer, worin die Vereinbarungen zwischen den Parteien festgehalten sind.

Dankbar darüber, dass in dem Abschnitt mit dem Buchenbestand vorerst keine Fällungen stattfinden werden, vereinbarten die Waldschützer mit dem Forstamt eine Beteiligung an dessen Maßnahmen. Das bedeutet, dass gemeinsam in den Buchenbestand Biomasse aus abgestorbenen Buchen und Kieferkronen eingebracht und Wildlinge, also gekeimte Sämlinge, die an den Wegrändern stehen, ausgehoben und in die lichten Stellen des Buchenbestandes eingepflanzt werden. Die Pflanzungen werden ergänzt durch die Aussaat von Eicheln und Edelkastanien, wobei Helfer zum Sammeln und Einbringen eingebunden werden. Ein Novum, das den Dialog und die Zusammenarbeit von Forstamt und Bürgern in Zukunft verstärken soll.

Einvernehmen besteht zwischen den Parteien über die Durchforstung des Fichtenbestandes mithilfe eines Seilkraneinsatzes. Dass dadurch einige Buchen betroffen würden, sei unvermeidbar, war von beiden Seiten zu hören. Die Waldschützer wollen die Maßnahme unterstützen, „weil durch den höheren Lichteinfall Vorbereitungen für die künftige Umwandlung des Nadelholzbestands in einen Laubholzmischbestand erfolgen können“. Zudem ist man sich einig über Verkehrssicherungsmaßnahmen an den Waldwegen. Die Maßnahmen müssen laut Ziesling „überschaubar sein“ und sollen vom Aktionsbündnis begleitet werden.

„Wir begleiten so lange das Projekt, bis der Wald sich selbst hilft“, sagte Ziesling – und bestätigte damit, was Forstamtsleiter Baader zu Beginn der Begehung gesagt hatte: „Uns allen ist das Mühltal wichtig.“

Ein Kommentar

  1. Ein solches Ergebnis wünschen wir uns auch in Neckargemünd und für weitere Regionen! Das scheint allerdings derzeit noch ein weiter Weg.
    Monika Habermann, Waldwende Neckargemünd

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