RNZ Artikel vom 16.3.2021 – 1600 Kubikmeter Holz sollen im Mühltal fallen

Bezirksbeirat Handschuhsheim befasst sich mit geplanten Forstarbeiten im Mühltal – Kritik an mangelnder Information

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Die geplanten Forstarbeiten im Mühltal sollen im Herbst stattfinden. Vorher ist aber noch eine Informationsveranstaltung vor Ort geplant, die sich an den Bezirksbeirat Handschuhsheim und die Naturschutzverbände richtet. Foto: Katzenberger-Ruf

Von Sarah Hinney

Heidelberg. Nachdem die geplanten Baumfällarbeiten im Mühltal hohe Wellen geschlagen haben, befasste sich vergangene Woche auch der Bezirksbeirat Handschuhsheim in seiner ersten digitalen Sitzung mit dem Thema. Tillmann Friederich, der Leiter der Forstabteilung der Stadt, war zugeschaltet, um den Beiräten die Maßnahme zu erklären und Fragen zu beantworten.

Hunderte Bäume im Wald oberhalb Handschuhsheims sind mit roter Farbe zur Fällung markiert. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger hatten die geplante Fällung unter anderem in Sozialen Netzwerken massiv kritisiert und tun es noch. Auch der Autor und Heimatforscher Ludwig Haßlinger, der sich seit vielen Jahren um die Biotope im Mühltal kümmert und den Wald seit über 80 Jahren bestens kennt, findet die Maßnahme grundfalsch. Die Stadt hatte auf den Protest reagiert und die Arbeiten auf Herbst verschoben. Lediglich einige wenige Bäume, die eine Gefahr für Waldbesucher darstellten, wurden bereits jetzt gefällt. Laut Friederich haben die Baumfällarbeiten unterschiedliche Gründe.

Im oberen Talweg „Winterseite“ gehe es um „reguläre Durchforstungsmaßnahmen“, bei denen schwächere Bäume rausgenommen würden, um vitalere zu stärken. Unterhalb würden Stockausschläge gefällt und von Schädlingen befallene Esskastanien. Teilweise diene diese Maßnahme der Sicherheit der Waldbesucher sowie der Kinder im Waldkindergarten. Überdies seien vor allem die Naturschutzverbände daran interessiert, dass die Wiesen nicht zuwachsen.

Tobias Sicks (SPD) zeigte sich irritiert darüber, dass der Bezirksbeirat nicht bereits im Dezember über die Dimension der Fällarbeiten informiert worden war. Ganz überzeugt wirkte er von Friederichs Ausführungen nicht. „Ich freue mich auf den Vor-Ort-Termin, aber ich bitte, nicht nur die Naturschutzverbände und Bezirksbeiräte einzuladen, sondern auch die Öffentlichkeit und zum Beispiel Herrn Haßlinger“, insistierte Sicks und forderte außerdem, die Maßnahme auf Klimaverträglichkeit zu überprüfen.

Friederich konterte, dass Holznutzung grundsätzlich dem Klimaschutz diene. „Durch den Einsatz von Holz als Roh- und Werkstoff werden andere Werkstoffe wie Plastik ersetzt.“ Sicks wollte auch wissen, um wie viele Bäume es insgesamt gehe. Das konnte Friederich nicht konkret beantworten. „Wir zählen die Bäume nicht“, sagte er. Zur Holzmenge konnte er indes Auskunft geben. So handle es sich um etwa 1600 Kubikmeter. „Ganz, ganz grob kann man pro Baum einen Kubikmeter rechnen“, so Friederich.

Birgit Müller-Reiss (Bunte Linke) bat ebenfalls darum, dass der Bezirksbeirat künftig frühzeitig informiert wird, wenn solche Maßnahmen anstünden. „Man kann nicht auf der einen Seite Klimawäldchen pflanzen wollen und auf der anderen Seite Bäume wegnehmen, ohne den Leuten zu erklären, warum.“ Sie plädierte außerdem dafür, nach Möglichkeit auch wieder mehr Bäume in der Stadt anpflanzen.

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