Das Aktionsbündnis Waldwende – Heidelberg.de erhält Unterstützung


Das Heidelberger Mühltal stand im letzten Jahr immer wieder im Brennpunkt von Diskussionen zwischen den Mitgliedern des Aktionsbündnisses „Waldwende – Heidelberg.de – Rettet das Mühltal“ und dem städtischen Forstamt. Ein langfristiger Schutz des Mühltals ist die Forderung des Aktionsbündnisses, die Stadt schafft mit der kürzlich durchgeführten Hiebsmaßnahme Tatsachen. Auch wenn ein Teil des Buchenwaldes erhalten blieb, wurden doch viele Bäume – Buchen, Esskastanien, Fichten, usw. – gefällt. Betrachtet man den gesamten Heidelberger Stadtwald, so sieht es dort nicht anders aus. Es wird weiter gefällt, alte Laubbäume fallen, der Wald wird weiter aufgelichtet.

Harvester mit Buchenstämmen
Harvester mit Buchenstämmen


In dieser Situation hat das Aktionsbündnis jetzt fachliche Verstärkung erhalten: Drei Mitglieder der Greenpeace Waldschutzeinheit (Forest Rescue Unit) haben das Mühltal besucht. Drei Stunden ging es das Tal entlang, um die Auswirkungen der kürzlich erfolgten Hiebsmaßnahme zu begutachten.


Auf den ersten Blick waren die Greenpeace Aktivisten von der landschaftlichen Schönheit des Tales beeindruckt, vom Wasserlauf mit seinen Hangquellen, dem vielfältigen Mischwald mit Buchen, Esskastanien, Ilex und Eiben, der malerischen Lage. Doch auf den zweiten Blick kam die Ernüchterung:
Baumstümpfe säumen den Weg, verletzte Baumrinden, aufgeschichtete Baumpolter am Weg – sie sind das Ergebnis der vor kurzem durchgeführten Hiebsmaßnahme.


Auch wenn ein Stück Buchenwald vor den Sägen gerettet werden konnte, bietet das Tal momentan einen traurigen Anblick.
Die Greenpeace-AktivistInnen nahmen zur Kenntnis, dass das Mühltal als Wasserschutzgebiet eine besondere Funktion hat. Diese betrachten jedoch auch sie als gefährdet, wenn das Tal immer weiter ausgelichtet wird und austrocknet.


Als Naherholung bietet das Mühltal Bürgern und Bürgerinnen viele Möglichkeiten. Wenn Jogger und Wanderer jetzt jedoch an Baumstümpfen entlanglaufen und über frisch geteerte Straßen laufen müssen, hat das Tal Einiges an seiner Naherholungsfunktion eingebüßt.
Die Mission der Greenpeace Waldschutzeinheit ist eine Bestandsaufnahme des süddeutschen Waldes, insbesondere was die Fauna- Flora- Habitat (FFH)-Schutzgebiete betrifft.
67% der Wälder in Deutschland stehen unter Schutz, doch nur 2,8, % des gesamten Waldes sind wirklich vor Holzeinschlägen geschützt. Greenpeace fordert, 15 % der Waldfläche Deutschlands aus der Holz-Nutzung zu nehmen.


Auch Täler wie das Mühltal, die sich durch ihre besondere Vielfalt auszeichnen, Buchen, Esskastanien, Ilex, Eiben, Eichen, stehen auf der Liste der Umweltschutzorganisation. Denn solche wertvollen Waldgebiete sichern die Lebensgrundlage der zukünftigen Generation: sie bieten Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen, sie binden langfristig Kohlenstoff und sie wirken sich durch das Waldinnenklima positiv auf den Klimawandel, hier in Heidelberg auf das Stadtklima aus. Das alles steht zur Disposition. Wie gehen wir in Zukunft mit den Wäldern um?


Gemeinsam mit Greenpeace fordert das Aktionsbündnis Waldwende- Heidelberg.de jetzt einen Stopp der Einschläge in Laubwaldbestände des Heidelberger Stadtwalds.


Die Zeit drängt und es bleiben nur wenige Jahre, die dringenden Probleme zu lösen.
Was bedeuten die Greenpeace Forderungen für Heidelberg?


Lassen wir die Bäume im Wald! Statt öffentlichkeitswirksam und sehr kostspielig ein Klimawäldchen zu planen, sollte sich die Stadt um den bestehenden intakten Wald kümmern. Hier Konzepte zu entwickeln – Korridore für geschützte Waldflächen schaffen, neue FFH Gebiete ausweisen, sie konsequent aus der Nutzung nehmen und die Waldwege nicht mit Teer versiegeln – das sind Ansätze, die dem Wald in Zukunft gerecht werden.

Asphaltierter Talweg Sommerseite


Fragwürdige Waldumbaumaßnahmen wie das Fällen von Buchen, das Anpflanzen neuer Baumarten, das Auslichten ganzer Baumflächen ist ein Spiel mit dem Feuer. Keiner weiß, wie sich der Klimawandel in Zukunft auf neue Baumarten auswirkt. Geben wir der Natur Raum und eine Chance, sich langsam auf die Veränderungen einzustellen. Handeln wir durch den Schutz der Wälder jetzt – gegen die Klimakrise und das Artensterben!

Teerstrasse zum Heiliugenberg


Stellen wir das Mühltal und mindestens 15 % des Stadtwaldes unter Schutz!
Das spart Steuergelder und ist ein sinnvoller Beitrag für den Klimaschutz!
Das Aktionsbündnis Waldwende – Heidelberg.de unterstützt die bundesweite Greenpeace Kampagne: „Sägen raus aus gefährdeten Laubwäldern!“

2 Antworten

  1. Lieber Herr Trietsch,

    dass ich Sie persönlich schätze, davon können Sie ausgehen.
    Dennoch sehe ich den Wald teilweise deutlich anders.
    Auch ich setze mich für die 15 Prozent totalgeschützten Wald ein. Die übrigbleibenden 85 Prozent können wir aber nicht St.-Florian-gemäß irgendwo anders hinlegen. Wo sollten denn die 85 Prozent im Bereich des Mühltals liegen? Die Gefahr ist groß, dass die totalgeschützten 15 Prozent wie ein mobiler Teppich überall dort ausgerollt werden, wo gerade Bäume gefällt werden sollen.
    Der mir wichtige Bereich des Naturschutzes setzt sich für die Vielfalt im Wald ein. Dies gilt auch für die Bewirtschaftungsformen. Nicht überall kann und sollte der dichte Wald dominieren (übrigens ein GEMEINSAMES Ziel von Stadtförstern und „Waldwende“; beide sind durch 200 Jahre Forstwirtschaft geprägt, und auch Volker Ziesling „sieht“ man an, dass er diese Schule durchlaufen hat). Unser biotischer Reichtum entstand bzw. wurde über Jahrhunderte konserviert durch die Auflichtung des Waldes durch extensive Beweidung, wie sie heute zur Pflege von Sanddünen um Viernheim, Sandhausen und Walldorf eine zunehmende Rolle spielt. In Mitteleuropa gibt es max. 40 natürliche Baumarten, aber 4000 v.a. an lichtliebenden krautigen Blütenpflanzen.
    Den EINEN richtigen Weg für den Wald gibt es einfach nicht.

    Herzlich,

    Ihr Klaus Hupke

  2. Die Natur ist schlauer als wir und benötigt recht wenig Hilfe von außen.

    Es muss zu Wasser und zu Land 20%-30% Naturschutzgebiete geben. Gerne auch temporär, wie z.B. die Sperrung bestimmter Gebiete, dass sich die Natur von uns erholen kann.

    Business und Natur gehen selten zusammen.

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