Waldwende Heidelberg

Gedanken zwischen den Jahren

Laut einer Schätzung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald wurden in diesem Jahr rund 25 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Nach einer stichprobenartigen Untersuchung des BUND wiesen zwei Drittel der 23 getesteten Weihnachtsbäume Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf, unter anderen auch das umstrittene Glyphosat.

Aber zurück zu unserem Mühltalwald und der Lektüre des Heidelberger Forsteinrichtungswerks 2020 ‐ 2029. Daraus kann ich entnehmen, dass der Stadtwald eine Holzbodenfläche von 3.147,2 ha hat, das ist die Fläche auf der Holz produziert wird. Auf dieser Produktionsfläche wachsen 383 Vorratsfestmeter (Vfm) pro Hektar. Das entspricht den durchschnittlichen Erträgen der deutschen Wirtschaftswälder.
Im Vergleich mit europäischen Urwäldern, die Vorräte zwischen 500 und 900 Vfm/ha erreichen können, ist das ungefähr die Hälfte.

Der Totholz‐Vorrat im Stadtwald als wichtiger Weiser für den Waldnaturschutz liegt bei 90.200 Festmeter (Fm), was 17,8 Fm/ha entspricht. Dieser Wert liegt in nutzungsfreien Wäldern um den Faktor 10- bis 20 höher.

Spärliches Totholz im Handschuhsheimer Wald

Aus diesen beiden Zahlenvergleichen ergibt sich, dass die Bewirtschaftung nicht das Prädikat „naturnah“ verdient.

Jetzt komme ich zu dem Begriff Schonwald! Das Forstamt spricht von bemerkenswerten 170 ha Schonwald am Königstuhl. 170ha geteilt durch die Holzbodenfläche von 3.147,2ha ergibt einen Anteil von 5,4%.
Die Bewirtschaftung unterliegt besonderen Auflagen die in der Schutzgebietsverordnung über den Schonwald „Königstuhl“ vom 14.10.1997 aufgelistet sind. Eine wirtschaftliche Nutzung wird dabei nicht ausgeschlossen.

5,4% liegen deutlich unter den 10-20% Waldfläche die langfristig aus der wirtschaftlichen Nutzung genommen werden sollten, wie verschiedene Nichtregierungsorganisationen (NGO’s), das Bundesgericht und auch der aktuelle Koalitionsvertrag fordern.

11ha liegen in einem von drei Naturschutzgebieten und 10ha sind als Naturdenkmal ausgewiesen. 
11 ha geteilt durch die Holzbodenfläche von 3.147,2 ergibt einen Anteil von 0,35%!

Es sind 290 Waldbiotope auf einer Gesamtfläche von 279 ha erfasst. Diese besonders wertvollen Waldstrukturen sind die Kleinode des Stadtwaldes. 
279 ha geteilt durch die Holzbodenfläche von 3.147,2 ergibt einen Anteil von 8,9%. Diese werden an anderer Stelle auch „Minibannwälder“ genannt.

Seltener Biotopbaum im Handschuhsheimer Wald

Aber nur große zusammenhängende Gebiete können garantieren, dass immer alle Habitatstrukturen aller Waldphasen in ausreichender Dichte und Verteilung vorhanden sind. In so einem Gebiet ermöglicht der Prozessschutz ohne Pflanzungen, Durchforstung oder Baumfällungen die Etablierung neuer genetischer und auch epigenetischer Varianten, die an die tatsächlichen neuen Umweltbedingungen angepasst sind.

Das Forstamt stellt auf Seite 8 fest: Waldrefugien (WR), das sind Waldflächen mit einer Fläche von 1 bis 3, max. 10 ha, in denen für einen längeren Zeitraum vollständiger auf eine Holznutzung verzichtet wird, wurden bisher nicht ausgewiesen.

Zum Schluss lese ich noch auf Seite 10 folgende Feststellungen:
Als neuer Hiebssatz werden für die Jahre 2020 bis 2029 wieder 240.000 Efm (= 7,6 Efm pro Jahr und ha) vorgeschlagen. Der neue Wert entspricht damit dem Wert der Forsteinrichtungsplanung von 2010 und liegt auch im Bereich des Vollzugs der Forstwirtschaftsjahre 2010 – 2019.

Das entspricht 20% der Gesamtbestockung und 80% des nachwachsenden Holzes die wirtschaftlich genutzt werden dürfen. Auf das Argument, den Wald angesichts der Klimakrise vermehrt als natürlichen Kohlenstoffspeicher zu nutzen, wird nicht eingegangen.

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